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AkustikbassAcoustic Bass

Zeitschrift:Magazine:
Instrumentenbau-
Zeitschrift 1-2/1996
Titel:
Akustische Klangfülle, die ihresgleichen sucht
- Stoll V-String Akustikbass
Autor:Author:
Michael Möckel
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Die akustische Bassgitarre gibt es bereits länger, allerdings fristete sie lange ein recht exotisches und vor allem spärliches Dasein. In Musiklexika wurde sie gar nicht erst aufgeführt und weil die Anwendungsmöglichkeiten in einer Gruppe sehr beschränkt waren, schien die Anschaffung meist nicht lohnend.

Etwas unverständlich bleibt dies trotzdem, schließlich hat so gut wie jeder Gitarrist auf einer akustischen „Klampfe“ angefangen, und meist bleibt sie auch bei ausgesprochenen Elektro-Fans zeit ihres Musikerlebens fester Bestandteil des Instrumentariums. Nur dem armen Bassgitarristen blieben Netzunabhängigkeit und eine „Lagerfeuerkarriere“ stets verwehrt.

Erst in den letzten Jahren trat mit dem Unplugged-Boom ein zunehmender Bedarf an Akustikbässen auf, aber längst nicht jeder wollte nun das Spiel auf dem Kontrabass erlernen, denn die Verwandtschaft zur Bassgitarre stößt sowohl in spieltechnischer wie auch in klanglicher Hinsicht schnell an ihre Grenzen.

Zudem ist der Transport recht unbequem und für einen großen Teil des heute populären Materials ist der Standbass auch nicht unbedingt geeignet. So machte schließlich nicht zuletzt die zwangsläufige Präsenz in zahlreichen Video-Clips und Unplugged-Konzerten die akustische Bassgitarre zu einem gewohnten Bild.

Dass die Industrie darauf reagierte, verwundert wohl die wenigsten, und so findet sich mittlerweile eine beträchtliche Anzahl verschiedener Modelle auf dem Markt, vom attraktiven Einsteigermodell bis zu hochwertigen Handwerksstücken.

Zu letzterer Kategorie gehört zweifelsohne das Testinstrument. Die Gitarrenbaufirma Stoll aus Taunusstein stellte diefünfsaitige Ausführung ihres Akustikbasses auf der Frankfurter Musikmesse ‘95 vor.

Bescherte dem ersten Stollbass vor Jahren noch ein kerzengerader Korpusauschnitt ein ziemlich rustikales Aussehen, gibt er mittlerweile mit einem gerundeten Cutaway ein sehr ästhetisches Bild ab. Trotzdem ist immer noch offensichtlich, warum er gerne der „Kontrabass zum Umhängen“ genannt wird, die Korpusgröße weist ihn auf den ersten Blick als Bass aus und hebt ihn weit aus dem Feld seiner Mitbewerber hervor.

Konstruktion Es handelt sich um einen Bass mit der Standard „Long Scale“ -Mensur von 86,4 cm. Die Gesamtlänge des Instruments beträgt 127,5 cm, der Korpus hat eine maximale Breite von 53,5 cm und ist 13,3 cm tief, eine ähnlich imposante Optik kenne ich sonst nur vom Ernie Ball-Bass, an den sich der ein oder andere vielleicht noch erinnert, Balalaika-Bässen oder eben dem Kontrabass.

Boden und Zarge des Testbasses bestehen aus Ahorn, welches gelblich gebeizt wurde, die Decke aus Fichte. Diese ist wie auch der Boden mit Palisander eingefasst. Auf der Decke befindet sich oberhalb des Schallochs von den letzten beiden Bünden bis zum Steg ein transparenter Schlagschutz, dort, wo die Spielhand überwiegend aufliegt.

Für den Hals wurde Cedro verwendet, er trägt ein recht kräftiges Ebenholzgriffbrett. Auf diesem sitzen 20 Bünde plus ein weiterer Halbbund für die höchsten zwei Saiten, der Bass ist aber auch bundlos lieferbar.

Selbstverständlich sind bei einem Instrument dieser Preisklasse alle Hölzer massiv, der Boden wurde aus drei, die Decke aus zwei Teilen zusammengeleimt, was aber keineswegs ins Auge fällt; einteilige Hölzer dieser Größe dürften nur schwer zu finden sein.

Die leicht nach hinten abgewinkelte Kopfplatte schließlich ist mit dekorativem Riegelahorn furniert, auf ihr verrichten fünf vergoldete Mechaniken vom Typ M 4 der Firma Schaller ihren Dienst. Aus dem gleichen Haus stammen auch die Gurthalteknöpfe, die Security Locks, deren Gegenstücke am Trageriemen sicheren Halt garantieren, während sie notfalls auch die Verwendung eines normalen Gurts ermöglichen, falls der eigene mal vergessen wird.

Außer dem unteren Halteknopf, der aus Stabilitätsgründen in ein eingesetztes Stück Palisander geschraubt wurde, findet sich in der Zarge noch eine Klinkenbuchse, der Ausgang eines Piezotonabnehmers. Der Saitenhalter ist aus Palisander und läuft zu den Seiten weit aus, dadurch erfolgt die Verleimung auf einer möglichst großen Fläche. Zusätzlich ist er zwischen der Saitenaufhängung mit der Decke verdübelt, in die vier Montageöffnungen wurden Perlmutt-Einlagen eingelegt.

Der verschiebbare Steghalter besteht ebenfalls aus Palisander, der Steg selbst aus Kunststoff und ist entsprechend der Oktaveinstellung für jede Saite geformt, hierunter sitzt noch der Piezopickup zur Abnahme des Instruments. Ansonsten befindet sich im Hals noch der Einstellstab, der im Korpusinneren mit einem Inbusschlüssel zugänglich ist, das runde Schalloch hat einen Durchmesser von 11,3 cm, steht bei einem „Eingriff‘ also nicht im Wege.

Die Verarbeitungsqualität und die der verwendeten Hölzer ist hervorragend, das spricht für eine lange Lebensdauer.

Handling Der Stoll-Bass ist mit etwas über drei Kilo unerwartet leicht und hat damit ein geringeres Gewicht als die meisten E-Bässe.

Für ein gutes Schwingungsverhalten braucht es bekanntlich eine möglichst dünne Decke und so ist das geringe Gewicht bei dieser Größe ein weiteres Indiz für die hohe handwerkliche Qualität, mit der die Firma Stoll dieses Modell konzipiert und gebaut hat.

Umgehängt balancieren der ausladende Korpus und das bei hoher Festigkeit gleichzeitig leichte Cedro-Holz des Halses den Bass sehr gut aus, eine leichte Wölbung des Bodens rundet den Tragekomfort angenehm ab. Allerdings wird der gewohnte Blick aufs Griffbrett durch die Dicke des Korpus stark erschwert, was natürlich auch für das Spielen im Sitzen gilt. Wer beim besten Willen nicht ohne ständige Übersicht aus kommt, muss halt E-Bass oder ein Thinline-Modell spielen, aber letztlich ist dies wie auch der große Abstand der Spielhand vom Körper eine Frage der Gewöhnung (bzw. Übung).

Apropos Spielhand, der Stoll-Akustikbass ist auch in einer Linkshänderausführung erhältlich, das ist bei einem Gitarrenbauer anders als bei Serieninstrumenten meist selbstverständlich.

Der Hals-Korpus-Übergang befindet sich am 14. Bund, der Cutaway erleichtert hier das Erreichen der hohen Lagen. Die Halsbreite beträgt am Sattel 51, am 12. Bund 62 mm und ist für einen Fünfsaiter sehr angenehm.

Der Saitenabstand am Steg von ca. 16 mm entspricht in etwa der des Viersaiter-Modells jede Saite ist gut erreichbar, ohne dass es bei verschiedenen Spieltechniken zu eng für die Spielhand wird. Zum Vergleich, um 19 mm ist bei einer viersaitigen elektrischen Bassgitarre ein durchaus übliches Maß.

Der relativ dünne Hals hat ein flaches D-Profll und ein E-Bassist fühlt sich auf ihm schnell wie zuhause (zu mindest bis zum 14. Bund, wo dann der Halsstock ansetzt), er lässt sich bis in die tiefen Lagen komfortabel greifen. Die Werkseinstellung war sehr gut, wenn auch für meinen Geschmack etwas niedrig, die Anpassung ist aber ein geringes Problem, und kann von Versierten wie Interessierten schnell vorgenommen oder bei der Bestellung abgesprochen werden

Sound Die Ehrfurcht gebietenden Ausmaße dieses Basses verleiten schnell zu der Annahme, eine kleinere Räumlichkeit unverstärkt zum Beben zu bringen, aber machen wir uns nichts vor, in einem Akustikbass, der gegen Schlaginstrumente oder Blechbläser ankommt, könnte man eher einen VW Käfer unterbringen als umgekehrt.

Selbst ein gezupfter Kontrabass hat einer oder zwei vehement gespielten Stahlsaitengitarren nicht mehr viel entgegenzusetzen. Die Physik fordert halt ihren Tribut, mit zunehmender Tiefe der Frequenz steigt der Auf wand für eine adäquate Verstärkung überproportional stark an.

Gleichzeitig darf die Lautstärke nicht auf Kosten der Klangqualität erreicht werden, denn Lautstärke allein ist längst nicht das wichtigste Kriterium eines solchen Instruments und der Stoll Akustikbass ist so immer noch deutlich leiser als ein Kontrabass, spielt seine Kollegen also nicht gleich in Grund und Boden.

Während viele andere Instrumente dieser Gattung aber mehr eine laute Bühnenverstärkung mit möglichst geringer Rückkopplungsanfäuigkeit erlauben sollen, oder ihr Durchsetzungsvermögen eher durch starke Mittenanteile erreichen, besticht der Stoll durch ein akustisches Volumen, das seinesgleichen sucht. Weder die Mitten noch die Höhen drängen sich unangenehm in den Vordergrund, der Sound bleibt durch die tragenden Bassanteile immer rund und voll ohne dass der Klang aber mulmig wird, selbst Akkorde in tiefen Lagen bleiben auf den ersten vier Saiten außergewöhnlich transparent.

Die H-Saite klingt im Vergleich zu den anderen allerdings etwas weniger kräftig, sie sollte vielleicht durch eine dickere ersetzt werden. Sei es bei Begleitung, Solo, Akkorden oder sogar Slapping, der Stoll-Bass spricht her vorragend an und reagiert lebendig auf Spielnuancen. Er schränkt das Spiel in keiner Richtung ein, sondern bereichert es um einen inspirierenden, charaktervollen Ton mit einem akustischen Timbre, das tatsächlich oft in Richtung Kontrabass geht.

Der passive Piezotonabnehmer überträgt den Klang leider zu hart und stark höhenlastig, lässt sich allerdings mit einem Bassverstärker gut bearbeiten und macht das Testinstrument für maßvolle Lautstärken oder Aufnahmen zu einer echten Alternative zum E-Bass. Es wird auch eine Version mit aktivem McLoud-Tonabnehmer angeboten, das Instrument kostet dann 4000,— statt 3900,— DM. Dafür bekommt man ein hervorragendes, wertbeständiges Arbeitsgerät, das außerordentlich viel Spaß macht.

Im Preis enthalten ist ein hochwertiger Koffer, dessen Größe schon für Neugier sorgt, er ist wahrscheinlich ebenso einzigartig wie der Bass selbst. Angesichts der Materialien, der Verarbeitung und im Vergleich mit Beträgen für ähnlich exclusive E-Bässe erscheint der Preis auf keinen Fall zu hoch, sondern sehr angemessen.

Wer also die Größe nicht scheut und ernsthaft auf der Suche nach seinem Akustikbass ist, sollte den Stoll-Fünfsaiter auf jeden Fall antesten, zu ihm gibt es nur noch wenige Alternativen.



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